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Le Petits „Ernsthaft sein“ bringt den Humor in Wildes witziger Sozialparodie auf die Spitze

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Der Dichter und Dramatiker Oscar Wilde schwingt in seiner Komödie „Ernst sein“ aus dem Jahr 1895 Worte wie einen spitzen Stock. Seine Charaktere pieksen und sticheln unaufhörlich aufeinander, und Wilde stichelt auch gegen die steifen Konventionen der viktorianischen High Society. Sogar der Untertitel des Stücks, „Eine triviale Komödie für ernsthafte Leute“, ist mit einem Augenzwinkern und einem Anstoß versehen.

In einer neuen Produktion im Le Petit Théâtre Du Vieux Carré unter der Regie von AJ Allegra greifen die Besetzung und die Crew auf Wildes typischen Witz und Stil zurück und steigern gleichzeitig den dem Stück innewohnenden Humor bis zur komischen Lächerlichkeit. Das Ergebnis ist eine unterhaltsame und rasante Farce, die zwar gut durchdacht wirkt, aber dennoch aus allen Nähten platzt.

Die Handlung des Stücks ist eine Reihe von Täuschungen und Missverständnissen, die hauptsächlich von zwei verwegenen Herren, Jack und Algernon, verursacht werden. Sie teilen ihre Zeit zwischen London und der Landschaft auf und führen eine Art Doppelleben. Jeder von ihnen hat Ausreden erfunden, um hin und her zu reisen, damit die eine Welt nicht in die andere eindringt.

Doch alles ändert sich, als sich die Männer verlieben – Jack in Algernons Cousine Gwendolen und Algernon in Jacks Mündel Cecily – und sie das Dilemma, die Wahrheit zu sagen, auf kreative Weise lösen müssen.



Von links: Matthew Rigdon, Kyle Daigrepont, Yvette Bourgeois, Rohan Padmakumar, Noah Hazzard, Bethany Lee, David W. Hoover, Königin Shereen Macklin, Tracey E. Collins und Aidan Caliva in „The Importance of Being Earnest“ im Le Petit.



Komödie im Vordergrund

Bei Sittenkomödien wie „Earnest“ kommt es allzu oft vor, dass der Fokus mehr auf den Sitten als auf der Komödie liegt und sittsame Salonkomödien mit verschmitztem Kichern geboten werden.

Doch hier erfreut sich die Besetzung am Herumalbern, spielt jede Szene laut und frech, wirft dem Publikum wissende Bemerkungen an den Kopf und liefert ein wenig Slapstick, der dem hochgestochenen Geschehen eine anspruchslose Rauheit verleiht.



Rohan Padmakumar und Noah Hazzard in „The Importance of Being Earnest“ im Le Petit.



Als Jack und Algernon sind Noah Hazzard und Rohan Padmakumar hervorragende und elegante Spieler in ihren jeweiligen Rollen, ein lebhaftes Jungspaar mit toller Chemie und starker Bühnenpräsenz.



Yvette Bourgeois und Bethany Lee in „The Importance of Being Earnest“ im Le Petit.



Das Gleiche gilt für ihre hübschen Freundinnen Gwendolen und Cecily, die von Bethany Lee und Yvette Bourgeois als klug und schüchtern dargestellt werden, aber auch temperamentvoll genug sind, um ihren männlichen Gegenstücken – und auch untereinander – in temperamentvollen Schlagabtauschen die Stirn zu bieten.

Die vier Hauptdarsteller werden durch eine starke Nebenbesetzung unterstützt, zu der Kyle Daigrepont als ironischer, geplagter Butler sowie Königin Shereen Macklin und David W. Hoover als Miss Prism und Reverend Chasuble gehören, die in die romantischen Eskapaden verwickelt werden.

Die Regeln der Gesellschaft



Von links: Tracey E. Collins, Rohan Padmakumar, Noah Hazzard, Kyle Daigrepont und Bethany Lee in „The Importance of Being Earnest“ im Le Petit.



Doch es ist Lady Bracknell – Algernons Tante und Gwendolens Mutter – gespielt von Tracey Collins, die beinahe allen die Show stiehlt. Die strenge viktorianische Matriarchin stellt die Eignung der Junggesellen und ihrer Liebhaber in Frage und hält sich an strenge Standards in Sachen Mode und Anstand. Ihre Einschätzungen sind beißend und urkomisch und liegen irgendwo zwischen „Downton Abbey“ und Dame Edna.

„Reden Sie nie respektlos über die Gesellschaft“, warnt sie. „Das tun nur Leute, die keinen Zugang dazu haben.“

Das Stück ist vollgestopft mit Bonmots und scharfen Einzeilern, wobei Gwendolen vielleicht der Beste davon ist: „In Angelegenheiten von großer Bedeutung ist der Stil und nicht die Aufrichtigkeit das Wichtigste“, erklärt sie.

Die Zeile bringt Wildes Aufspießen einer geistlosen und heuchlerischen Gesellschaftsklasse auf den Punkt, dient aber auch als Inszenierungsanmerkung. Es gibt sehr wenig Aufrichtigkeit in dieser Inszenierung von „Earnest“, die sich stattdessen für plumpe Komödie und übertriebenes Melodrama entscheidet, um die Lächerlichkeit der Elite zu verdeutlichen, aber die Show strotzt geradezu vor Stil.



Von links: Königin Shereen Macklin, David W. Hoover, Rohan Padmakumar, Yvette Bourgeois, Noah Hazzard und Bethany Lee in „The Importance of Being Earnest“ im Le Petit.



Kostümbildnerin Kaci Thomassie entwirft für jede Figur fabelhafte Looks, vom Frack, den Plastron und den Brogue-Stiefeln der Herren bis hin zu den farbenfrohen Lagenkleidern und kunstvollen Blumen- und Federhüten der Damen.

Das Bühnenbild von Joan Long ist ebenso zauberhaft, ein drehbares Bühnenbild, das geschickt von einer herrschaftlichen Londoner Residenz zu einem idyllischen Landsitz wechselt.

Der Witz geht auf ihre Kosten

Wilde hatte gute Gründe, die feine Gesellschaft zu kritisieren, denn die unterdrückte Moral der viktorianischen Epoche hinderte ihn daran, als offen schwuler Künstler zu leben und zu lieben.

Tatsächlich sollte „Earnest“ der letzte Erfolg des Schriftstellers sein, denn nur wenige Monate nach der Premiere wurde Wilde wegen „grober Unanständigkeit“ inhaftiert.

Nach einer zweijährigen Haftstrafe zog er nach Frankreich und starb später im Alter von 46 Jahren mittellos in einer billigen Absteige in Paris.

Während also manche Anglophile dazu neigen, die britische Eleganz der Reichen zu romantisieren – eine Einstellung, die oft in der Popkultur dargestellt wird –, scheint es von großer Bedeutung zu sein, darauf hinzuweisen, dass Wilde in „Earnest“ das Publikum dazu bringen möchte, über die Aristokratie zu lachen und nicht mit ihr. Und Le Petits lebendige und energiegeladene Inszenierung bietet reichlich Gelegenheit, genau das zu tun.

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“DIE DRINGLICHKEIT, ERNST ZU SEIN”

WANN: bis 23. Juni

WO: Das kleine Theater

616 St. Peter St., New Orleans

TICKETS: 40–75 $ (20 $ für Studenten)

DIE INFO: www.lepetittheatre.com

Kaynak

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